Im Schleudergang auf höchster Tourenzahl

17.10.2018

13-10-2018straeter-vor1

Zu einer fast dreistündigen Tour de Force durch alle (irr)relevanten Lebensbereiche lud Kult-Comedian Torsten Sträter sein Publikum gestern Abend mit seinem Programm “Es ist nie zu spät, unpünktlich zu sein“ in der SCHWALBE arena ein.

Von Anfang an war klar: Das Publikum liebt den Mann mit der Mütze aus dem Ruhrgebiet und der Mann mit der Mütze liebt seine Zuschauer. Vom ersten Moment seines Bühnenauftritts in  der SCHWALBE arena an nehmen ihn die rund 1.500 Zuschauer applaudierend in den Arm, klatschen, wiehern, gackern, kreischen und auch der Top Act des Abends macht aus seinem Herzen keine Mördergrube. Sträter: “Ich will mich hier amüsieren.“ Ohne Aufwärmphase geht es von Null auf Hundert. Sträter bekennt, sich für den Auftritt in der “Sporthalle” extra neue Turnschläppchen zugelegt zu haben. “Sie werden gleich nach Hause fahren und sich fragen, was war das denn?” Aber egal: “Ich les jetzt mal eine Geschichte.”

Übergangslos sitzt man gedanklich mit ihm zusammen in der Lobby des “Mittelklasse-Hilton” in Berlin, wo der Teppichflor so tief ist, dass er in jedem guten Gefängnis die Fluchtgefahr glatt auf null senken würde. Wer hier also sitzt, ist prominent, also gilt es einer Gruppe „gut abgehangener Damen“, Ü 50-U Tod, Autogrammwünsche zu erfüllen, bis sich herausstellt, dass man ihn fälschlicherweise für ein Mitglied von Santiano hält, die ebenfalls im Hotel untergekommen sind. “Santiano sind eine Art Unheilig für Leute mit Booten”. Vom Promistatus wieder hart im Leben gelandet geht es weiter mit der multifunktionalen Smartwatch und seinem Sohn, dem “Erben des Imperiums, der Frucht seiner Lenden, dem Heranwichsenden”, der statt Speicherplatz auf dem Tablet zu belegen, die Musik in der Cloud speichert.
 
“Also ehrlich, ich hinke technisch hinterher, es sickert nur langsam durch”, sagt Sträter. Zum Beweis folgt die Geschichte aus dem Fitnessstudio, wo er im Rahmen der Gewichtskontrolle auf die Personenwaage steigt und diese explodiert. War ja auch ein Staubsaugerroboter, kann man heutzutage nur nicht mehr erkennen. Auch der Thermomix bekommt sein Fett weg – “meine Fresse- 1.300 €“. “Was macht ihr mit dem Ding?”, fragt Sträter. Ruf aus dem Publikum: “Eierlikör.” Sträter: “Also für 1.300 € könnt ihr doch acht Paletten Eierlikör bekommen.” Neulich in Gerolstein hat man Sträter gesteckt, dass das örtliche Mineralwasser Pokemon-Permanganat enthält und deshalb ins öffentliche Trinkwassernetz eingespeist wird. Eine Woche später in Warstein angekommen, war die Enttäuschung dann riesengroß.
 
Nach der Pause parliert “Gästin” und Stand-up-Comedienne Tahnee  über die brennenden Themen ihres Heimatortes Heinsberg, dem “Gazastreifen der Kleingärtner,  wo die Nachbarn besser über dein Leben Bescheid wissen als du selbst”. Klar wissen alle “dat dat Kind lepsisch is”, aber Hauptsache die Mülltonne steht bis spätestens 22 Uhr an der Straße. Nach dem Damen-Intermezzo übernimmt der Maestro mit der Mütze wieder die Regie. Ob Flugangst, King-Kong, Elektromobilität, Fernsehprogramm, Plastikmüll oder AfD und Intervallfasten, sämtliche Sachgebiete werden im Schleudergang auf höchster Tourenzahl zerpflückt, wobei der rote Faden allgemein überschätzt wird, denn wesentlich sind “Inhalte, Inhalte, Inhalte”.
 
Ob es bis hierher Fragen gebe? Wenn nicht, hier die Geschichte von der Kaffeemaschine aus der Garderobe des Münchner Lustspielhauses, die aussieht, wie ein kotzender Hydrant. Die Portionen so groß, dass sie gerade so in die Tässchen aus dem Wohnmobil von Ken und Barbie passen. Als Sträter dann lautmalerisch ins Mikro reihert, um zu demonstrieren, wie sich die Maschine tröpfchenweise in die imaginäre Tasse erbricht, ist dies nur einer der ungezählten, riesigen Stimmungskracher des Abends. “Ehrlich, wenn sie nicht schwimmen können, liegt das nicht an der Badehose”. Nach rund drei Stunden Unterhaltung der Extraklasse fuhren auch die Sträter-Fans Rebecca und Randolf aus Gummersbach wieder nach Hause und fragten sich, was war das denn?  “Ein wunderbar, lustiger Abend mit toller Stimmung jedenfalls.”


Quelle: „Von Oberberg-Aktuell – Zeitung für die Region“

Text: Ute Somme
Bild: Michael Kleinjung