Mehr als „Nur Nuhr“ – 20.01.2017

09.05.2017

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In der Schwalbe-Arena gab Dieter Nuhr am Freitagabend sowohl witzige, als auch nachdenkliche Spitzen zum Besten und begeisterte mit seiner Weltsicht, die eigenwillig, überraschend und immer abseits des Üblichen ist.

Ein Mann, ein Mikrofon – „nur Nuhr“, und so heißt ja auch das Programm, mit dem Dieter Nuhr derzeit tourt. Nu(h)r mit Worten brachte der Meister der entspannten Pointe das Publikum am Freitagabend in der SCHWALBE arena an die Scherzgrenze und von dort aus ins heitere Entzücken. Dabei bewies Dieter Nuhr, dass Multitasking möglich ist, denn es wird gelacht und gedacht – gleichzeitig.

Das letzte Jahr habe schon mit der Domplatten-Sache angefangen und das sei zum Ende wieder Thema gewesen. Dazwischen reichlich Wutbürger, Trump, Steuerrechtsfragen in Bezug auf Tannenbäume. und Zimtsterne-backende Männer. 2016 sei eigentlich weder besser noch schlechter als die Jahre davor gewesen, befand Nuhr und nahm sich die Zeit, genauer hinzuschauen und die launigen Momente zu entdecken. Einen besonderen gab es für ihn: er erhielt den Deutschen Comedypreis als Bester Komiker. Doch den erwähnte er nicht, dafür sprach er aber über Männlichkeitsträume kleiner Männer, die zu viel Testosteron für den kleinen Körper hätten, wie Putin – und Trump sei angeblich ja über 1,90 Meter, aber sicherlich würde er morgens mit der Fußpumpe aufgeblasen. Diverse Debatten gab es im vergangenen Jahr, von Satire-Verbot bis zur Burka. Dieses Kleidungsstück fand er gar nicht so schlecht – es würde nur von den falschen Menschen getragen, denn es gäbe so manchen, bei dem er denken würde „Mach doch einen Sack drüber – aber dann schalldicht!“.

Nuhr ist immer sehr direkt und nach einem Exkurs in die Auswirkung von Darmbakterien und „braunes Pack“ weist er kurz darauf hin, wen er nicht in seinen Veranstaltungen haben möchte: „Sind Nazis heute Abend hier?“. Die würden allerdings kaum die Zusammenhänge verstehen, schmunzelt er dann.

 Eher zu belächeln, wenn auch gut gemeint, seien neuerfundene Worte, um Dinge positiv zu belegen – wie verhaltensoriginell anstatt verhaltensgestört. Nuhr achtet nicht nur sorgfältig auf die sprachliche Qualität dessen, was er sagt: er bringt seinem Publikum auch Sprachkritik nahe und regt es an, über die Wirkung von Sprache nachzudenken. Das bescheinigte man ihm schon 2014 mit dem „Kulturpreis Deutsche Sprache“. In Gummersbach ging er da gerne auch auf den Gender-Wahn ein, bei dem peinlich genau drauf geachtet werde, die Gleichstellung der Geschlechter zum Ausdruck zu bringen.

Grandios seine Antwort auf Bushidos Textzeile in einem seiner Songs, der Nuhr darin erwähnte und ihn offensichtlich „gedisst „(englisch „to diss“ – jemanden schlechtmachen) hatte. Nuhr rappte seinen „Rück-Diss“ mal kurz – im perfekten Rapper-Slang. Er redet über das, was ihm durch den Kopf geht und das wirkt einerseits ein wenig planlos, andererseits ist eigentlich alles ziemlich repräsentativ. Nuhr spricht über das, was die Leute so angeht. Sonst würden sie nicht zuhören. Und in der Schwalbe Arena lauschten die Gäste gebannt dem brillanten Dieter Nuhr, der es schaffte, mit dem ihm so eigenen Humor auf unverkennbare Art und Weise den eigentlichen Irrsinn der Dinge herauszustellen. Ganz am Schluss zog er ein Fazit für alle zu seinem Programm „Nur Nuhr“: „Meine Botschaft: die Welt ist erheblich besser, als wir sie wahrnehmen.“

Quellen:
Beitrag: Vera Marzinski, www.oberberg-aktuell.de
Beitragsbild: Klaus Stange, www.avttention.de