Simon Ernst im Interview

07.01.2015

„Eine ziemlich coole Erahrung” 

Seit einem halben Jahr in Gummersbach unter Vertrag und nun bereits in der DHB-Auswahl: Simon Ernst, gerade mal 20 Jahre alter Rückraumspieler des VfL mit überragenden Abwehrqualitäten, gab bei den Testspielen der DHB-Auswahl auf Island sein Debut in der Nationalmannschaft. Kurz nach der Landung in Frankfurt am gestrigen Dienstag stand er für ein ausführliches Gespräch zur Verfügung und sprach über seine Eindrücke.

Sie haben gerade in der Nationalmannschaft debutiert. Wie war es denn in Island?

Simon Ernst: Das war schon eine ziemlich coole Erfahrung, ein paar Tage und zwei Spiele mit der Auswahl zu erleben. Das erste Länderspiel ist eine Erinnerung, die man nie vergisst. Das ist schon ein Meilenstein in meiner persönlichen Karriere. Ich bin richtig stolz, da einmal reingeschnuppert zu haben. 

Waren Sie nervös?

Simon Ernst: Das ging eigentlich. Aber das Team hat es mir ja auch sehr leicht gemacht, in der Mannschaft anzukommen. Das sind allesamt echt nette Jungs. Und ein paar von denen kannte ich ja auch schon. Und wenn du auf dem Parkett stehst, ist die das nicht bewusst, dass das nun gerade dein erstes Länderspiel ist. Ich habe mir da keinen Kopf gemacht.  

Und wie waren die Reaktionen aus der Heimat?

Simon Ernst: Nach der Einladung zur Nationalmannschaft haben sich viele gemeldet und mir die Daumen gedrückt. Ich war ja selbst ganz baff, so früh – nach nur einem halben Jahr 1. Liga –schon dabei sein zu dürfen. Und bei den Spielen selbst haben natürlich alle mitgefiebert. Einige Freunde von mir haben sich sogar getroffen, um das Spiel gemeinsam über den Livestream zu verfolgen. 

Stehen Sie manchmal noch ein wenig ungläubig da und müssen sich die Augen reiben, wenn Sie die letzten Monate noch einmal Revue passieren lassen?

Simon Ernst: Ein wenig schon. Vor gut einem Jahr war ich ein Drittliga-Spieler, und jetzt habe ich zwei A-Länderspiele. Dazwischen lagen mein Debut in der B-Nationalmannschaft, der Aufstieg mit meinem Ex-Klub Bayer Dormagen, der EM-Gewinn mit der Junioren-Auswahl und eine fantastische Hinrunde mit meinem neuen Klub in Gummersbach. Das ist schon ziemlich optimal gelaufen. Ich meine, ich muss mich nun nicht andauernd zwicken, aber das war schon ein richtig tolles Jahr. Andererseits fühle ich mich nun wegen der Länderspiele in Island keineswegs schon als fester Bestandteil der A-Mannschaft des DHB. Wäre aber schön, wenn ich demnächst mal wieder eingeladen werden würde. 

Die WM in Katar kommt wohl noch ein wenig zu früh für Sie, oder?

Simon Ernst: Wenn nichts Außergewöhnliches passiert, werde  ich nicht teilnehmen. Die drei Verletzten Tim Kneule, Hendrik Pekeler und Michael Kraus kehren ja nun in den WM-Kader zurück. Und das ist ja auch wichtig für die Mannschaft insgesamt, dass diese drei Spieler wieder an Bord sind, weil sie extrem wichtig für das Team sind. Ich hingegen fahre schon morgen zu einem Lehrgang der Junioren.  

Dabei haben Sie doch schon Turniererfahrungen mit den Nachwuchsmannschaften des Verbandes.

Simon Ernst: Ja, aber das ist doch etwas ganz anderes. Großartig waren natürlich die beiden EM-Titel mit der DHB-Jugend 2012 und den Junioren 2014. Dazwischen lag die enttäuschende WM 2013. Aber das wollen wir im Sommer in Brasilien wieder gutmachen. Da gehören die DHB-Junioren zum Favoritenkreis. Wir wollen natürlich um die Medaillen mitspielen. Was am Ende dabei herauskommt, werden wir dann sehen.  

Und beim VfL stehen Sie mit gerade mal 20 Jahren auch schon in der Verantwortung.

Simon Ernst: Ja, klar, aber in erster Linie in der Abwehr. Dort sehe ich mich mittlerweile auch als zentralen Bestandteil. Aber ich wünsche mir natürlich auch mehr Spielanteile im Angriff. Ich sehe mich als kompletten Handballer und definitiv nicht als reinen Abwehrspezialisten.  

Sind Sie die kommende Lösung auf der Spielmacherposition in Deutschland?

Simon Ernst: Das ist viel zu weit vorgegriffen. Außerdem müssen das letztlich immer andere entscheiden. Wir haben einige hoffnungsvolle Talente in Deutschland, da sehe ich mich definitiv nicht als Nummer eins. Aber es war echt schön, bei der Auswahl reinschnuppern zu können.

Aber allein von Ihrer Körpergröße bringen Sie einiges mit.

Simon Ernst: Stimmt. Größe und Körperlichkeit sind schon ein Vorteil im Bundesligaalltag. Zudem spiele ich nun seit 16 Jahren Handball und habe mich bislang erst einmal ernsthaft verletzt. Das war im November 2013, als ich mir einen Meniskusriss zuzog und zweieinhalb Monate pausieren musste.  

Im Klub läuft es – zumindest in der Hinrunde – hervorragend. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Simon Ernst: Ich kann keine Vergleiche zu den Vorjahren ziehen, da ich ja erst im Sommer 2014 nach Gummersbach kam. Aber ich kann sagen, dass sich die Mannschaft als geschlossene Einheit präsentiert, in der ein paar ältere Spieler die Führung übernommen haben. Wir pushen uns im Training und spielen Handball mit Begeisterung. Der Erfolg der Hinrunde tut dabei sein Übriges.

Sie leben auch in Gummersbach. Was gefällt Ihnen besonders?

Simon Ernst: Ich mag es, dass Gummersbach durch und durch eine Handballstadt ist. Die Leute feiern jeden Sieg und trösten die Mannschaft nach einer Niederlage. Die Menschen hier leben den VfL. Gummersbach hat soviel Charme. Ich fühle mich hier richtig wohl.

Blicken wir mal in die Zukunft: Welche Schlagzeile möchten Sie gern mal über sich lesen.

Simon Ernst: Da muss ich erst überlegen. Mir gefiele es, wenn es hieße: Simon Ernst mit dem VfL auf der Überholspur. Das klingt super und lässt auch noch Luft nach oben.