Interview mit Mark Bult

12.12.2014

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In Gummersbach angekommen

Seit eineinhalb Jahren spielt Mark Bult nun schon für den VfL Gummersbach. Der 32-jährige Holländer, der seinen Vertrag vorzeitig bis zum Sommer 2017 verlängerte, kam zu einer Zeit, als es dem Traditionsklub sowohl sportlich als auch wirtschaftlich schlechter ging als heute. Der Manager Frank Flatten, den er über seinen Berliner Manager Bob Haning damals kennen lernte,  überzeugte den Linkshänder, der zuvor sechs Jahre bei den Füchsen Berlin unter Vertrag stand, mit seinem Konzept. Heute ist Mark Bult nicht nur Teil des Gummersbacher Aufschwungs, sondern aufgrund seiner Erfahrung – er spielt bereits sein elftes Jahr in der DKB Handball-Bundesliga – auch einer der Leitwölfe in einer jungen und vielversprechenden Mannschaft. Vor dem schweren Auswärtsspiel beim TuS N-Lübbecke am Samstag (Anwurf 19.00 Uhr), bei dem der VfL die Hinrunde erfolgreich beenden möchte, fand Mark Bult die Muße zu einem ausführlichen Gespräch.

Die Hinrunde steht kurz vor dem Abschluss. Nach 17 absolvierten Spielen hat der VfL bereits 18 Punkte eingespielt. Damit war nicht unbedingt zu rechnen, oder?

Mark Bult: Das ist für mich ebenso unerwartet wie für viele meiner Kollegen und all diejenigen, die mit dem VfL zu tun haben. Wir mussten zur Saisonbeginn ein paar erfahrene Spieler ziehen lassen. Im Gegenzug kamen junge Spieler die zum Teil überhaupt noch keine Erstliga-Erfahrung besaßen. Aber wir haben rasch festgestellt, dass diese Mischung aus Jung und Alt hervorragend harmoniert. Wir haben eine tolle Stimmung in der Mannschaft. Und wenn ein Spieler der sogenannten ersten Sieben mal schlecht spielt, dann reißt das oft der zweite Mann auf der Position wieder raus. Das alles macht gerade viel Spaß. 

Was ist denn anders als in der Vorsaison?

Bult: Der große Unterschied ist, dass wir in dieser Saison sehr viel schneller spielen können. Wir spielen die Schnelle Mitte als festes taktisches Moment, uns gelingen aber auch viele einfache Tore über unsere schnellen Außenspieler. Das hat uns in der vergangenen Saison gefehlt. Außerdem – das kenne ich noch aus meiner Zeit in Berlin – überträgt sich die gute Stimmung im Team aufs Spielfeld. Das gibt viel Sicherheit.

Auch die Fans in der Schwalbe-Arena sind derzeit euphorisiert.

Bult: Die Fans und die neue Halle – das sind zwei weitere wichtige Faktoren. Als Spieler der Gastmannschaften kenne ich noch die alte Gummersbacher Halle. Das ist natürlich überhaupt kein Vergleich. Die Fans glauben an uns, von Spiel zu Spiel kommen mehr Zuschauer. Auch in der Stadt werde ich oft auf den VfL angesprochen. Man spürt, dass die Leute hier ihren Klub, der so viel Tradition hat, leben. Das kenne ich von anderen Vereinen nicht.  

Sie selbst sind mit 32 Jahren erfahrener Bestandteil der Mannschaft. Sind Sie der Leitwolf?

Bult: Das bin ich nicht allein. Dazu gehört auch unser Torwart Carsten Lichtlein, Christoph Schindler und Joakim Larsson. Wir alle vier bekommen viel Respekt von den jungen Spielern. Und umgekehrt ist das genauso. Außerhalb des Spielfeldes sprechen wir auch viel miteinander. Aber während des Spiels sind wir ein Kollektiv. 

Die entspannte sportliche Situation gibt der Mannschaft zurzeit auch die nötige Ruhe, um sich zu entwickeln…

Bult: …ganz anders als in der vergangenen Saison. Da standen wir deutlich mehr unter Druck. Jetzt aber spielen wir gut, die meisten Verträge sind verlängert. Das bedeutet keineswegs Entspannung, gibt aber viel Planungssicherheit. Zudem können wir uns in dieser Saison auch auf unsere Heimstärke verlassen. 

Welche Perspektiven hat die Mannschaft?

Bult: Das alles braucht hier viel Zeit. Der Klub gewann früher so viele Titel, national und international. Daran sollte beim VfL gegenwärtig niemand denken. Aber jede Saison ist ein weiterer wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Und bevor Sie nach dem Europacup fragen: Wir reden nicht darüber, aber so weit sind wir davon nicht entfernt. Die Mannschaft ist hungrig nach Erfolg und möchte langfristig wieder dahin kommen. Der VfL Gummersbach hätte genau das verdient.  

Als Sie vor eineinhalb Jahren ins Oberbergische wechselten, sah die Situation nicht so rosig aus. Was hat Sie überzeugt, dennoch hier zu unterschreiben?

Bult: Zuerst einmal hat der VfL noch immer einen großen Namen und ist alles andere als ein Gurkenverein. Und dann haben mich Manager Frank Flatten und Trainer Emir Kurtagic davon überzeugt, dass sie mit einem schlüssigen Konzept etwas Großes aufbauen wollen. Bislang habe ich den Wechsel überhaupt nicht bereut. 

Dabei fing für Sie die Zeit in Gummersbach nicht so toll an.

Bult: Ich habe mich gleich zu Saisonbeginn verletzt, und das ist immer katastrophal. Du bist neu bei einem Klub, möchtest dich beweisen, der Mannschaft helfen. Und dann bist du zum Zuschauen verdammt. Das ist nur schwer auszuhalten. 

Der klassische Shooter sind Sie nicht.

Bult: Ich mag es, mit meinen Nebenleuten zusammenzuspielen. Klar, ich könnte auch jeden sich bietenden Wurf nehmen, aber das ist nicht meine Art, Handball zu spielen. Ich finde es ebenso herausfordernd, wenn ich meine Nebenleute in Szene setze. Insofern bin ich vielleicht ein eher untypischer Rückraum-Rechter. 

Sie spielen seit elf Jahren in der Bundesliga, unterbrochen lediglich von einem kurzen Gastspiel im polnischen Kielce. Sind Sie nach Engagements in Nordhorn und bei den Füchsen nun angekommen?

Bult: Das kann ich behaupten. Der Unterschied zwischen Berlin und Gummersbach ist allerdings gewaltig, und meine Frau hatte am Anfang einen regelrechten Kulturschock. Klar, wenn du von der Mega-Großstadt aufs Land ziehst. Aber für uns als kleine Familie ist das hier einfach nur super. Meine beiden Jungs (fünf und zwei Jahre alt) fühlen sich hier sehr wohl. Wir wohnen sehr naturnah, und meine Eltern leben gerade mal zwei Autostunden entfernt.

Haben Sie sich mit 32 Jahren schon Gedanken über das Karriereende gemacht?

Bult: Überhaupt noch nicht. Ich fühle mich topfit und spüre nicht, dass ich bereits 32 bin. Mein Vertrag läuft bis zum Jahr 2017. Und vielleicht hänge ich dann sogar noch einen Vertrag dran. Andererseits habe ich schon ein wenig vorgesorgt. Ich habe mein Studium in Holland beendet und möchte nach meiner Karriere unbedingt die Trainer-Lizenz erwerben. Aber im Moment lautet meine Maxime: Ich möchte so lange wie möglich spielen.

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